Geschichte Getreidekaffee

Geschichte von Getreidekaffee, Malzkaffee und Muckefuck

Bevor du dir einen Tee oder Kaffee machst: Wusstest du, dass Menschen schon lange nach Alternativen zum klassischen Bohnenkaffee gesucht haben? Diese Ersatzgetränke haben eine überraschend lange und spannende Geschichte, die teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht.

Als Kaffee aus Übersee in Europa immer beliebter wurde, war er zugleich ein teures Luxusgut, das sich viele Menschen kaum leisten konnten. Dazu kamen politische Faktoren: Friedrich der Große verbot im 18. Jahrhundert in Preußen die Einfuhr von Kaffeebohnen, um die heimische Landwirtschaft zu schützen.

In dieser Zeit begannen findige Leute, regionale Pflanzen und Körner zu rösten und aufzubrühen, um ein Getränk zu kreieren, das Farbe und Aroma von Kaffee ähnelt — aber ohne die echten Bohnen. Daraus entstanden die frühen Formen von Getreide- und Malzkaffee: Gerste, Roggen oder Dinkel wurden geröstet, gemahlen und aufgegossen, genau wie Bohnenkaffee.

Ein besonders berühmter Vertreter dieser Getränke war der sogenannte „Muckefuck“. Der Name klingt heute lustig, aber dahinter steckt eine echte Geschichte: Er entstand ebenfalls im 18. Jahrhundert als Antwort auf teuren oder verbotenen Kaffee. Der Name könnte vom französischen Mocca faux („falscher Mokka“) stammen oder aus regionalen Begriffen des Rheinlandes, in denen das Getränk auch als „brauner Holzmulm“ beschrieben wurde.

Diese Ersatzgetränke waren nicht nur „Notlösungen“. Sie setzten sich rasch durch — besonders in Zeiten, in denen Kaffee knapp oder teuer war, zum Beispiel während der Napoleonischen Kontinentalsperre oder in den Kriegs- und Nachkriegsjahren.

In Deutschland entwickelten sich daraus teils große Produktionen. Malzkaffee, also ein Getränk hauptsächlich aus gerösteter Gerste, etablierte sich spätestens im späten 18. und 19. Jahrhundert als koffeinfreie Alternative. Später, im 19. Jahrhundert, entstanden große Marken und Fabriken, die Getreide- und Malzkaffee großflächig herstellten.

Auch in anderen Ländern wurde das geröstete Getreidegetränk populär: In Italien ist caffè d’orzo (geröstete Gerste) bis heute ein weit verbreitetes koffeinfreies Heißgetränk, das oft in traditionellen Espresso-Maschinen serviert wird.

Im 20. Jahrhundert verloren diese Alternativen etwas an Bedeutung, als Kaffee wieder leichter verfügbar wurde — trotzdem blieben sie im Alltag vieler Menschen präsent: In der DDR etwa war Muckefuck oder Getreidekaffee in Zeiten, in denen Bohnenkaffee knapp war, ein vertrauter Begleiter. 

Und heute? Was einst aus Not entstanden ist, erlebt ein neues Interesse: Geröstete Getreide- und Zichoriengetränke stehen nicht mehr für Knappheit, sondern für koffeinfreie, nachhaltige Alternativen, die viele junge Menschen bewusst genießen — sei es morgens oder am Abend.

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